Blindscan mit der SS 2 von Technisat

Als DXer bzw. Feedhunter hat man das Bedürfnis alle Signale auf der jeweiligen Orbitposition zu empfangen. Einen Strich durch die Rechnung kann einem natürlich der zu geringe Schüsseldurchmesser machen. Dies trifft besonders auf den C-Band Empfang zu, wobei bei den älteren Satelliten der Intelsat-Reihe für den Globalbeam bis zu 9 Meter Blech von Nöten sind.

 

Um in Mitteleuropa das komplette KU-Band empfangen zu können reicht eine ca. 1,20 m große Schüssel vollkommen aus.

Natürlich gibt es auch hier etliche Ausnahmen wie z.B.:

- der Empfang des EW 4 auf 36°Ost

- der Empfang des Eurobird 3 auf 33°Ost

- der Empfang des Astra 2D auf 28,2°Ost

- der Empfang von Arabsat 2D auf 26°Ost

- der Empfang des EW 6 auf 21,5°Ost

- der Empfang der beiden Nilesats auf 7°West

 

Der Empfang oben genannter Satelliten gestaltet sich zum Teil  mit 1,20 m schwierig, da der jeweilige Satellit in der Leistung zu schwach ist und nur einen bestimmten Bereich mit seinem Footprint abdecken kann (z.B. Astra 2D, wo bei dies von der S.E.S. und der BBC wegen den Filmrechten auch gewollt ist) oder genügend Leistung besitzt, aber der Footprint nicht zentral auf Mitteleuropa strahlt (z.B. EW 4, dessen Footprint auf Osteuropa und Russland gerichtet ist).

Bei dem Eurobird 3 (ex. E-Bird) kommt noch hinzu, dass der Satellit über 4 Spotbeams verfügt, welche jeweils verschiedene Teile von Europa abdecken.

 

 

Seit Mitte 2003 sind so genannte Blindscan-Receiver auf dem Markt. Diese Receiver ermöglichen einen Suchlauf, der das komplette Frequenzspektrum einer Orbitposition ohne Eingabe von Frequenzen bzw. Verwendung von Settings durchsucht.

 

 

Einer der ersten Receiver, der den Blindscan beherrschte, war der Coship 3188C, gefolgt von dem Powtek DVB-FTAM002 und dem  Innovia IDS 3088S, den ich kurzzeitig auch einmal mein Eigen nannte.

 

 

Seit Herbst 2004 bin ich Besitzer eines Fortec Star Lifetime Ultra.

Seit dem werden in immer kürzeren Abständen Blindscan-Receiver auf dem Markt geworfen, die mehr oder weniger etwas Taugen.

 

 

Eine für mich persönlich bequemere Art einen Blindscan durchzuführen ist das Scanen  mit dem Tool "SAT Blindscan" von ALTX in Zusammenarbeit mit der ProgDVB-Software.

Der ALTX-Scaner läuft allerdings nur mit einer SS 2 DVB-S TV-Karte von Technisat in der Revision 2.3.. Die Technisat SS 2 besitze ich nun schon seit Frühjahr 2003. Der Hauptgrund für den Kauf lag schon damals in der Tatsache, dass zum damaligen Zeitpunkt immer mehr Feeds in 4:2:2 übertragen wurden. Wer möchte als Feedhunter und fanatischer Testbildsammler schon auf 4:2:2-Übertragungen verzichten? Ich kenne keinen.

 

Technisat SS 2 von vorne.. ... und von hinten ;.)

 

Die ProgDVB-Software steht unter progdvb.com zum Download zur Verfügung. Dort sind auch die aktuellen Treiber für die SS 2 zu finden.

 

Der Vorteil des  Scannens mit "SAT Blindscan" ist der Zeitfaktor. Der Programmierer ALTX schreibt in seiner Anleitung  von einem Scan auf 19,2°Ost, bei dem sämtliche aktive MCPC-Transponder in sage und schreibe 63 Sekunden eingelesen wurden. Ich hatte dies natürlich selbst getestet und kam mit dem vorgebenen Profil "MCPC with SR 20-30 K" auf immerhin 83 Sekunden. Meiner Meinung nach immerhin noch ein hervorragender Wert. Bei dieser Einstellung scannt das Programm in 8 MHz-Schritten, was für das Auffinden von schmalbandigen Feeds ein noch zu hoher Wert wäre. Für mich hat sich bei der Feedsuche ein Wert von 3 MHz als am sinnvollsten herausgestellt. Wer wirklich jeden Feed finden will, der sollte es mit 2  MHz-Schritten probieren. Dies verlängert die Zeit des Scannen allerdings.

 

 

Wenn ein Signal gefunden wird, so ist dies am grünen Symbol gut zu erkennen.

 

Den Timeout-Carrier habe ich auf 200 gesetzt. Man kann diesen auch auf z.B. 80 setzen. Dadurch wird die Scanzeit extrem verkürzt. Allerdings bin ich mir da nicht sicher ob auch alle Feeds gefunden werden.

 

Beispiel:

Scan auf 22°West am 28.10.05 morgens 9.00 Uhr

 

 

Frequenzbereich 10.950 - 11.700 MHz hor. in 3 MHz-Schritten, SR-Bereich 5000 - 7500
Carrier-Wert Zeit in sec. gefundene Feeds
080 28 3
200 63 3
500 138 3

Ergebnis: Trotz des Wertes "080" wurden alle 3 Feeds, die zur Zeit aktiv waren, gefunden.

Gleichzeitig können Symbolratenbereiche auch gemischt werden. ALTX empfiehlt Symbolratenbereiche von über 10000 ks/s nicht mit Symbolratenbereichen von unterhalb 10000 Ks/s gleichzeitig abzuscannen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dies mit einem Carrier-Timeout von 500 trotzdem geht. Bei dem Wert 200 übersieht das Programm Träger oberhalb von 10000 ks/s. Probleme gibt es generell mit Feeds unterhalb von ca. 2500ks/s. So hatte ich es auf dem Telstar 12 15°West noch nie geschafft den NBC-Feed mit einer SR von 1500 und einer Fec von 7/8 mit "SAT Blindscan" einzulesen.

Des Öfteren kommt es vor, dass Frequenzen doppelt eingelesen werden oder dass das Programm den Viterbi-Decoder nicht richtig einlockt, darauf hin erscheint als FEC der Wert NA.

Die Symbolraten der gefundenen Träger liegen vom Wert her meist um die 2 bis 3 MHz zu niedrig. Im Bild oberhalb wird für die DFA eine Frequenz von 11.586 GHz eingelesen, in Wirklichkeit liegt das Signal aber bei 11.589 GHz hor. an.

 

Um die eingelesen Feeds nun auch noch sichtbar zu machen, nutze ich die ProgDVB-Software.

 

Bei der ProgDVB gebe ich nun die mit dem Blindscan-Tool gefundenen Daten ein ( 11589000 kHz h SR 6111, die Fehlerkorrektur wird nicht benötigt).

 

 

Ein kurzes Suchen , dann ein Lock und siehe da, das Farbbalkentestbild der Deutschen Fernsehnachrichten Agentur aus Düsseldorf erscheint auf dem Bildschirm.

Bitte nicht durch die etwas schwache Signalstärkeanzeige irritieren lassen. Seit einiger Zeit wird auf meinem Rechner die Signalstärke bei der ProgDVB zu schwach angezeigt. Die Technisat-Software Setup4PC zeigte für dieses Signal eine SNR von über 12 dB an und mein Echostar AD-3000IP lieferte ein Qualität von über 75%.

Ich hatte auch schon Feeds auf dem EW 3A, bei denen die Signalstärke 2 % anzeigte und das Bild trotzdem klötzchenfrei zu sehen war.

Der PRO7/SAT 1 HDTV-Feed zum Start der  HDTV-Ausstrahlung der beiden deutschen Privatprogramme auf dem EW 2 16°Ost vom 26.10.05 zeigte nur 3% an und lief fast ohne Störungen :-).

 

 

Für ein Scan der BBC-Feeds auf dem Atlantic Bird 1 12,5°West verwende ich meine Settings, die als INI-File im Verzeichnis "Transponders" liegen . Diese kann man mit jedem gewöhnlichen Texteditor selbst nach eigenen Wünschen bearbeiten.

 

 

Nach dem fertigen Scan der z. Zt. aus 21 Frequenzen bestehenden INI-Datei erscheint ein Reporter der BBC unter der Kennung "UKI-999 Path1".

 

 

 

Die unten zu sehenden Kennungen stammen auf dem ersten Blick vom EW 3 A 7°Ost, weil sie dort in der dazugehörigen Karteikarte abgelegt sind. Dies stimmt so allerdings nicht, da ich beim manuellen Scannen die Einstellungen des EW 3A verwende. Bei dem Globecast New York-Testbild handelt es sich um das Globecast-Paket auf 12,5°West. Standardmäßig werden dort die drei Kennungen "Channel 1"," Channel 2" und "Channel 3" eingelesen. "Dad-1" und "DAD-2" stammen von 15°West. Bei "ProSieben Test" handelt es sich um den von oben erwähnten HDTV-Feed. Die drei "NSS"-Kennungen sind dem EBU-Paket auf 22°West zuzuordnen. "Reuters Jerusalem" überspielte an diesem Tage kurzzeitig auf 22°W 11.657 GHz hor. SR 6111 Fec 3/4 und die Providerkennung "Globecast Paris/W3" stammt vom Globecast-Paket auf 7°Ost 11.283 GHz ver. SR 27500 Fec 3/4 und wird von der Serte in Paris upgelinkt. Soviel zur kleinen Feed- und Kennungskunde ;-).

 

 

Interessant sind noch die jeweiligen Video- und Audiodatenraten, die bei der ProgDVB unter "File/Property" abgerufen werden können.